Donnerstag, 12. April 2018

Dieser Tage raus (KW15)

Diese Woche ist ja vor allem mal wieder Noiserock-Woche: Das neue Album vom Future of the Left-Ableger CHRISTIAN FITNESS ist sehr nice geworden, das Zweitwerk der Helmet-Fans WRONG ist am Start und die texanischen Punks von LACE sollte man sich ebenfalls mal reinziehen!

AUTOKRATOR - Hammer of the Heretics
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, wussten mich bisherige Hörproben von AUTOKRATOR nicht übermäßig zu überzeugen.
Immolation-mäßiges Death-Metal-Doublebassgepolter und -Gegrunze mit industriell-mechanischen Andeutungen Richtung Godflesh ist etwas, mit dem man bis um die Jahrtausendwende rum (ja, ich bin alt) vielleicht mal bei mir hätte landen können, bei dem ich heutzutage aber nicht mal mehr müde lächle (oder grimmig gucke).
Da es Zeitgenossen geben soll, die das hier für ‘ne bestechende Sache halten, sei der Vollständigkeit halber aber dennoch auf den diese Woche kreisenden „Hammer of the Heretics“ hingewiesen.



CAUDAL - Fight Cry Fight
Aidan Baker’s ’Trancepunk’-Trio (manchmal auch Duo) CAUDAL mit einem neuen Release.
Wer instrumentalen Post-/ Krautrock mit einem Hauch von ‘Drone-Jazz‘ und hypnotischer Note mag, der könnte hier richtig sein.

Das genaue Veröffentlichungsdatum ist etwas vage, aber man hofft, die physikalischen Tonträger in dieser Woche am Start zu haben.


CHAOS ECHOES WITH MATS GUSTAFSSON - Sustain
Sparen wir uns Floskeln vom emanzipatorischen Erwachsenwerden o.ä., aber es ist schon interessant, wie sich CHAOS ECHOES von ihren schwarz-/ deathmetallischen Wurzeln immer mehr freischwimmen.
Neben Veröffentlichungen mit Drone-Improvisationen fügen die Franzosen der eigenen Vita dann jetzt auch noch mal eben eine Kollaboration mit dem schwedischen Free-Jazz-Saxophonisten MATS GUSTAFSSON (The Thing u.a.) hinzu, was dann auch über das Experimentalkram-Label Utech anstatt über eine Metalszenen-Hausnummer erscheint.



CHRISTIAN FITNESS – Nuance: The Musical
Andrew "Falco" Falkous (Ex-Mclusky, Future of the Left) verschließt sich wohl dagegen, CHRISTIAN FITNESS als ‘Soloprojekt’ zu bezeichnen, dabei ist es im Grunde genommen genau das.
Abgesehen von allen Live-Drums, die etatmäßig von Jack Egglestone (ebenfalls Ex-Mclusky, Future of the Left) übernommen wurden, hat Falco hier aus dem Rockbandkorsett losgelöst sämtliche Saiten-, Tasteninstrumente, Soundtrüfteleien und teilweise mehrstimmig inszenierten Vocals im Alleingang bewerkstelligt.
„Nuance - The Musical” ist dabei das bereits fünfte Album des Cardiffers unter CHRISTIAN FITNESS Banner, bei dem zum gewohnten Weirdo-Noiserock-Fundament mit verzerrtem Bass und ironischem Witz noch mehr Pop-Momente hinzu- und auch Hip-Hop-Einflüsse stärker durchkommen.
Ich find‘s ja ziemlich kurzweilig!



DEAD NEANDERTHALS - Life
Das nennt man wohl wahre Experimentallisten: Für „Life“ hat das Dutch-Heavy-Jazz-Duo DEAD NEANDERTHALS die Standardinstrumentierung von Sax und Drums beiseitegelegt, um sowas wie ein analogelektronisches Ambient-Noise-Album (?) zu machen.
Und ich kann nicht oft genug betonen, wie sehr ich solche bunten Comicstyle-Coverartworks mag!



EWIG.ENDLICH. - Auf Grund
Ich sach’s mal ganz offen: Der stilistisch recht Screamocore-nahe „Post-Black-Metal“ von EWIG.ENDLICH ist mit seiner Kombination aus Blastbeatgeballer-Musik und deutschsprachiger Befindlichkeitslyrik etwas, für das ich wohl schon zu alt bin. So hätten Escapado geklungen, hätten sie sich nach einem Deafheaven-Einfluss gegründet, und schon für die (beide) war ich einen Ticken zu alt bzw. zu schäbimetallisch und schweinerockig sozialisiert. Die „Hipster-Aura“ davon ist halt nur so semi mein Ding.
Ändert allerdings nix dran, dass sie (im Gegensatz zu z.B. dieser unerträglich uninspirierten Poser-Luftnummer Red Apollo) tatsächlich eine der besseren jungen Bands zeitgenössischer Krachmusiksubstilregionen sind, die meine geographische Gegend so zu bieten hat, weswegen ich sie hier gerne mal mit vorstelle. 



HENRY BLACKER - The Making Of Junior Bonner
Mitglieder der englischen Originale Hey Colossus, die mit dieser abgespeckten Ableger-Formation stärker gen Desert-Fuzzrock neigen, veröffentlichen ihr 'verflixtes drittes Album' (natürlich) via Riot Season, der nicht zu unterschätzenden Anlaufstelle der britischen Psych-Punk- und Noiserock-Szene.



LACE - Human Condition
Wie cool sind die denn? Das texanische Quintett LACE frönt derbe nach vorne peitschendem Hardcore-Punk mit wütendem Gezeter, hat im Stilmix aber immer wieder auch mal Platz für Schulterblicke Richtung Post-Punk/ Noiserock, was sich dann vor allem im gelegentlichen Midtempo-Stampfer wie ‘Tension‘ oder ‘Mapplethorpe (The Leper Song)‘ oder auch mal einem trotz aller Kürze etwas seltsamen Songarrangement (‘Moral Trip‘) äußert, bei dem man dann gerne mal mit viel Hall schon regelrecht retro-gotisch ins dunkel-atmosphärische abrauscht. Bauhaus meets Black Flag?



LEILA ABDUL-RAUF - Diminution
Man kennt Gitarristin bzw. Multi-Instrumentalistin Leila Abdul-Rauf u.a. aus Bands wie den Kauz-Echtmetallen Hammers Of Misfortune, den Death-Metallern Vastum oder auch ihrem Mitwirken bei Amber Asylum oder Bastard Noise.
Ein illustre Runde, zu der auch noch Solo-Alben hinzukommen. „Diminution“ ist bereits ihr drittes und bietet so etwas wie Ambient-Musik. 



RLYR - Actual Existence
(Ex-)Mitglieder von u.a. Russian Circles, Pelican und Locrian machen als RLYR auf ihrem zweiten Album wohl ungefähr das, was man von ihnen erwartet: Instrumentaler Rock/ Metal, atmosphärisch-psycheledisch und progressiv angehaucht.



TOMAGA - Music For Visual Disorders
Das britische Duo TOMAGA experimentiert mit Minimalismus, Ambient-Aspekten, elektromusikalischer Absurdität und Krautrock-Motorik. Dabei schlagen sie bewusst auch oft eher ruhige Töne an, als es krachen lassen zu müssen.
Bei „Music For Visual Disorders“ handelt es sich um eine Sammlung von Tracks, die zuvor schon in anderen Kontexten Leben fanden, wie z.B. als Soundtrack für Tanztheaterstücke oder
Kunstausstellungen.
Warum das Ganze von belgischen Label und Kunstfestival Meakusma auf ausgerechnet 287 Vinyl-Exemplare limitiert wurde, das wiederum weiß ich nicht.



WRONG - Feel Great
Zugegeben: Eine Großtat war das selbstbetitelte WRONG-Langspieldebüt vor zwei Jahren nicht, dennoch hatte das „die Neunziger haben angerufen, weil sie ihre Helmet-Riffs zurückhaben wollen“-mäßige Teil was erfrischendes, denn sowas hört man trotz allgemeinem Noiserock-Revival eben auch nicht mehr alle Tage in so einer Konsequenz.
Zwei Jahre später hat die Band aus dem Umfeld von Kylesa und Torche nun Album Nummer zwei am Start und so ein bisschen freue ich mich ja doch schon wieder auf die anstehende Zeitreise an der Grenze zur Coverband…



Und sonst noch?

THE BLACK HEART REBELLION haben einen alternativen Soundtrack zum feministischen Vampirfilm A Girl Walks Home Alone At Night der iranisch-amerikanischen Regisseurin und Drehbuchautorin Ana Lily Amirpour gemacht, den sie aktuell auch live aufführen und der diesen Freitag über das verbandelte Künstlerkollektiv-Kleinlabel Smoke & Dust rauskommen soll.
(Hörproben gibt’s bei Soundcloud in Form der Songs "فریب دادن مرگ" und "قرص و شور (بخش) دوم").

SEPTIC TANK sind ‘ne dem Punk frönende Altherren-Supergroup aus dem Rise Above Records-/ Cathedral-/ With The Dead-Dunstkreis, deren „Rotting Civilisation“ ebenfalls diese Woche rauskommt.

Das New Yorker Label Nerve Altar kredenzt uns diese Woche dann auch noch ’ne Split-EP der tschechischen Grinder NEEDFUL THINGS und der schwedischen Crusties OVERVIOLENCE.

Das MORAL ORDER Debüt „Freedom Locked” erscheint diese Woche bei Tesco und bietet Power Electronics/ Old School Industrial (Klick: Videoclip).


Wo wir gerade schon in derartigen Stilgefilden sind, haben Ant-Zen diese Woche mit PHILIP MÜNCH’s „Greyscale“ eine ‘einzigartige Mischung aus Power-Noise-Rhythmen, Dark-Ambient-Spheres und oft aggressiv dargebotenen deutschen Vocals“ und mit der selbstbetitelten NATURA EST eine Kollaboration vom Briten Tony Young (Autoclav1.1) und dem Paderborner Andreas Davids alias „Eisenkiller“-Xotox am Start, die ebenfalls eher Ambient-lastig ausgefallen sein soll. 

Eine 'Neo-Savage Avant-EDM Anthem' von AMNESIA SCANNER feat. PAN DAIJING hätten wird auch noch.

Es ist wohl außerdem 'ne neue YASS-EP via ChuChuRecords raus, aber bis jetzt gibt es noch keinen Bandcamp-Stream o.ä. 

'Blackgaze/ Blackened (Post-)Hardcore' finde ich persönlich ja auch schon ziemlich durchgekaut, bzw. generell nur bedingt reizvoll, wer aber Musik auf der Spannweite von Alcest bis Deafheaven mag, der sollte vielleicht mal den ersten Longplayer der dänischen MØL checken, der diese Woche via Holy Roar unterwegs ist.

Und für wen es echt nicht genug ‘Postrock‘ sein kann, der sollte vielleicht auch mal das diese Woche bei Pelagic Records erscheinende „Find The Right Place“ von ARMS AND SLEEPERS checken.

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